20 Jahre EEG. Kurzbericht über das Regionetz-Treffen am 12. November 2020

Chancen für Altanlagen

20 Jahre nach Inkrafttreten des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) werden ab 2021 die ersten Anlagen zur Stromerzeugung, allen voran die Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen), aus der staatlichen Förderung fallen. So fürchten Anlagenbetreibende einen Verlust der Wirtschaftlichkeit, was im schlimmsten Fall zu einem massiven Rückbau der ehemals geförderten Anlagen führen könnte. Was also geschieht nun mit den „alten“ Bestands-Anlagen nach der Novellierung des EEGs?

Dazu fand am 12. November ein Treffen mit Fachleuten und Interessierten – dieses mal per Videokonferenz – statt.

Hintergrund: Das EEG (Gesetz für den Ausbau Erneuerbarer Energien) trat im Jahr 2000 in Kraft. Es regelt die Einspeisevergütung für Betreiber von besagten Anlagen für 20 Jahre. Ab dem 31.12.2020 fallen die ersten Anlagen – die sogenannten Post-EEG-Anlagen – aus dieser Förderung heraus. Weitere Anlagen sind in den kommenden Jahren nach 20-jähriger Betriebszeit betroffen.

Einfach laufen lassen?

Viele der ursprünglichen Anlagen sind nicht ohne Weiteres für den Eigenverbrauch ausgelegt. Gibt es Alternativen? Ja. Beispiel PV-Anlagen: Auch ohne EEG-Förderung können diese effizient weiterbetrieben werden. Dafür braucht es allerdings eine umfangreiche Umrüstung: Die Altanlagen haben einen geringeren Stromertrag als Neuanlagen und nicht selten einige Mängel nach der langen Laufzeit. Die zugehörige Technik muss grundlegend überprüft bzw. ausgetauscht werden. Auch die Frage, ob die Direktvermarktung oder Speicherung für überschüssigen Strom sinnvoller ist, muss individuell geklärt werden.

Eröffnet wurde die Runde zuvor von Isabella Goletzko, die gleichzeitig den Fesa e.V. und seine Arbeit vorstellte. Die Entstehung des Regionetztreffens selbst erläuterte Frau Birgit Bastian von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg: Initiiert wurde dieses Format vor sieben Jahren u.a. von Armin Bobsien, ehrenamtlicher Mitarbeiter des fesa e.V. und Klimaschutzmanager bei der Stadt Emmendingen.

Zum eigentlichen Thema, dem EEG, seiner Novellierung und auch seinen Schwachpunkten, wurde insgesamt ein sehr umfangreiches Bild vermittelt.

Innerhalb der Region gibt es zwei unterschiedliche Angebote, welche an diesem Abend thematisiert wurden und welche die aufgrund der ausfallenden EEG-Vergütung entstandene Lücke abfedern könnten: Das Stromaufnahmeangebot EWS und das Stadtstrommodell Freiburg. Hierfür kamen beim Regionetz-Treffen Expert*innen zu Wort: Frau Dr. Sandra Hook, Umweltschutzamt (UWSA) Freiburg für das Freiburger Stadtstrommodell und Luis Pfeiffer, Elektrizitätswerke Schönau (EWS) für das Stromaufnahmeangebot. Beide Modelle sind geeignet für die Volleinspeisung und Überschussvermarktung. Die Eigeninitiativen der EWS und der Stadt Freiburg sind allerdings mit hohen Kosten verbunden und die Bestandsanlagenbesitzer*innen können häufig nicht die gleiche Wirtschaftlichkeit wie zu Zeiten der EEG-Vergütung erwarten. Der Fortbestand der älteren Anlagen ist damit jedoch gegeben und der großflächige Abbau kann abgewendet werden.

Die wichtigsten Voraussetzungen sind vorab eine Wirtschaftlichkeitsberechnung sowie eine Dachvollbelegung. Letztere im Idealfall in Kombination mit Solarthermie. In den meisten Fällen gestaltet sich die Einspeisung von überschüssigem Strom einfacher (wenn auch unvergütet), als Stromspeicher, die meist mit hohen Investitionskosten verbunden sind. Unterm Strich lohnt sich in vielen Fällen jedoch der Fortbestand bzw. die Erweiterung der Altanlagen.

Im Anschluss gab es Zeit für einen rege Austausch in den Diskussionsgruppen. Christian Meyer (EnergyConsulting Meyer) zeigte hier mehrere mögliche Szenarien auf, um konkrete Handlungsschritte kennenzulernen.

Grundsätzlich zeigte sich bei dem Regionetz-Treffen, dass es keine pauschale Lösung gibt, sondern viele individuelle Wege und Kombinationen. Dabei bleibt der interkommunale und (über-) regionale Austausch wichtig, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen.

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One Comment

  1. Dr.Walter Helm

    Mein Brief gestern an Fechner (SPD), Weiß (CDU) und Minister Altmaier:

    Herrn Minister
    Peter Altmaier, CDU
    Ministerium für Wirtschaft und Energiepolitik

    11019 Berlin

    Wie können Sie es wagen?

    Sehr geehrter Herr Minister Altmaier,

    der beigefügte Brief ist mir heute ins Haus geflattert – und ich bin entsetzt, empört, wütend! Wie kann man es in Berlin wagen, eine über zwanzig Jahre dauernde Erfolgsgeschichte (damals das
    „100.000 – Dächer – Programm“ – zweimal aufgelegt durch die Rot-Grüne Bundesregierung – so an die Wand zu fahren, wie es jetzt u.a. von der „Netze BW“ angekündigt wird??????
    Da sind auf vielen Dächern mit damals noch viel Aufwand und Elan in Privatinitiative Photovoltaikanlagen aufgebaut worden, um zur Versorgung durch Strom einen kleinen Beitrag zu leisten, die Technologie voranzubringen, eine nachhaltigere Energiepolitik einzuläuten, und jetzt soll nichts anderes übrigbleiben, als
    die Anlage zu verschrotten? –
    den Strom an den Netzbetreiber zu verschenken? –
    die Anlage „stillzulegen“?
    Da wird überlegt, bei Neubauten das Photovoltaik – Dach zur Pflicht zu machen (Bayern, Baden-Württemberg), und in Berlin wird beschlossen, die über zwanzig Jahre laufenden Anlagen, die

    genauso zur Stromversorgung beitragen wie große, moderne PV-
    Felder, einfach zu ignorieren, als Vogelschiss der Geschichte der Energieversorgung abzutun und Hunderte von engagierten Bürgern vor den Kopf zu stoßen, dass eine Gehirnerschütterung als das mindeste an Folgeschaden zurückzubleiben droht. Nein, es kann nicht sein, und ich möchte herzlich und inständigst bitten, diese drohende Fehlentwicklung in letzter Minute noch
    aufzuhalten, umzukehren, das Ganze neu zu konstruieren. Es müssen – und können – keine 50 ct mehr sein, die pro Kwh vergütet werden wie bisher, mir als Laien leuchtet durchaus ein, dass das jeder Wirtschaftlichkeit widerspricht, aber abzuhängen, ungeschehen zu machen, die Strommengen kalt lächelnd in den Orkus zu stopfen – das halte ich absolut nicht für nachhaltiges Denken und Handeln in der Politik.
    Bitte setzen Sie sich mit allen Ihnen verfügbaren Mitteln dafür ein, dass der geplante Mega-Lapsus in dieser Form nicht Wirk-lichkeit werden kann. Ich denke, dass noch Zeit dazu ist, diesen Karren aus dem drohenden Drecksloch mit Erfolg herauszuziehen!

    Mit erwartungsvollen Grüßen

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