Dreisamtal soll klimaneutral werden

Der Förderverein für Energiesparen und Solarenergie-Nutzung in Kirchzarten stößt mit zwei Auftaktveranstaltungen am vergangenen Freitag ein Prozess an, an dessen Ende ein Bürgerentscheid für mehr Klimaschutz in den Gemeinden Kirchzarten, Oberried, Stegen und Buchenbach stehen soll.

Mit einer Fridays-for-Future-Demonstration am Nachmittag und einem Bürgerforum am Abend startete der Förderverein für Energiesparen und Solarenergie-Nutzung in Kirchzarten am vergangenen Freitag die Kampagne „Klimaneutrales Dreisamtal“.  Götz Mosig-Baumeister aus dem Vorstand betont, dass der Verein kein fertiges Konzept in der Schublade liegen habe. „Uns geht es im Gegenteil darum, möglichst alle wesentlichen Akteure im Dreisamtal bei der Kampagne einzubinden, um in den kommenden Monaten gemeinsam ein tragfähiges Konzept zu entwickeln“, so Mosig-Baumeister. Am Ende dieses Prozesses ist ein Bürgerentscheid geplant, der das Konzept zur Abstimmung stellen soll.

Die Auftaktveranstaltungen am vergangenen Freitag fanden großen Anklang: Zahlreiche SchülerIinnen und Studierende fanden sich bereits gegen 12 Uhr im Bürgersaal der Talvogtei in Kirchzarten ein, um Plakate für die Demonstration vorzubereiten, die um 14 Uhr startete. Knapp 200 Teilnehmer zogen dabei durch Kirchzarten und erinnerten mit ihren Plakaten daran, dass es keinen „Planet B“ gibt und man lieber rechtzeitig etwas für die „Um-Welt“ tun sollte, statt bald in einer „Un-Welt“ zu leben – oder fragten auf den Plakaten sarkastisch: „Oma, was ist ein Schneemann?“ Insbesondere die jüngeren Schüler waren mit großem Ernst bei der Sache und hatten auf der Demonstration sichtlich Spaß daran, sich für mehr Klimaschutz in ihrer Region einzusetzen.

Das Bürgerforum am Abend war als Diskussion mit den örtlichen politischen Akteuren angelegt. Der Einladung des Vereins folgten knapp 50 Zuhörer und fünf Kommunalwahl-KandidatInnen. Sie bekamen im Rahmen des Forums Gelegenheit, ihre eigenen Ideen für mehr Klimaschutz im Dreisamtal vorzustellen. Holger Schatz von der Liste „Sozialökologischer Wandel“ geißelte dabei den zunehmenden Verkehr im Dreisamtal. Er forderte vor diesem Hintergrund eine Stellplatzreduzierung in Kirchzarten sowie eine andere Priorisierung in der Verkehrspolitik der Gemeinde: „Im Mittelpunkt der Bemühungen muss zukünftig der Fahrrad- und Fußgängerverkehr stehen“, drängte der promovierte Soziologe. Barbara Schweier von den Grünen betonte, dass ihr insbesondere die regionale Produktion und der Vor-Ort-Vertrieb von Lebensmitteln ein Anliegen sei. Mit ihren Bemühungen um einen stärkeren Einsatz von lokalen Wärmenetzen hätten sich die Grünen in Kirchzarten bislang leider nicht durchsetzen können, so Schweier. Für die CDU waren Maxi Glaser und Martin Götz auf dem Podium. Als Architekt setzte sich Götz schwerpunktmäßig mit dem Thema Bauen und Wohnen auseinander. Höhere Energiestandards als gesetzlich vorgeschrieben lehnte er ab. „Gerade jungen Familien wird wegen der Mehrkosten das Bauen dadurch erschwert“, wendete er ein – womit er auf zum Teil heftigen Widerspruch im Publikum stieß. Götz plädierte dafür, den Blick vielmehr auf den Bestandsbau zu lenken und hob gleichzeitig die aus seiner Sicht vielen Gemeinsamkeiten der einzelnen Fraktionen im Kirchzartener Gemeinderat in Sachen Klimaschutz hervor. Auch Bernd Engesser von der SPD nahm sich des Themas Bauen an und forderte, in Zukunft deutlich höher zu bauen, dafür aber die Fassaden intensiv zu begrünen. Zudem sollte verstärkt auf den Holzbau gesetzt werden – auch das sei wegen der besseren Energiebilanz gegenüber Beton eine Klimaschutzmaßnahme. Im Bereich Verkehr plädierte Engesser für Tempo 30 auf allen innörtlichen Straßen und Tempo 80 auf der B31. Zudem sollte der öffentliche Nahverkehr billiger und Elektromobilität stärker gefördert werden. Dass Klimaschutz letztlich auch die Summe vieler kleiner Maßnahmen sein kann, zeigten einige Anregungen aus dem Publikum. Während eine Zuhörerin beispielsweise eine naturnähere Begrünung der Straßenrandflächen gut fände, regte ein anderer an, im Zentrum der Gemeinden Trinkwasserspender aufzustellen. So könne die eine oder andere Plastikflasche vermieden werden.

Paul Frener, ebenfalls im Vorstand des Fördervereins, war am Ende des Tages zufrieden mit der Resonanz bei den Auftaktveranstaltungen: „Wir stehen mit unserer Kampagne ja erst ganz am Anfang. Dafür war das schon sehr gut.“ Bis Ende des Jahres sei mindestens eine Veranstaltung pro Monat geplant sowie die Intensivierung der Zusammenarbeit mit den verschiedenen gesellschaftliche Gruppen in den Kirchzarten, Oberried, Stegen und Buchenbach. Die nächste Klima-Demo und das nächste Bürgerforum finden am 24. Mai statt. Schwerpunktthema dieses Forums soll Bauen und Wohnen sein.

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