fesa-Thema: Ökologischer Fußabdruck

Der ökologische Fußabdruck ist ein gängiges Instrument, um die Auswirkungen menschlichen Verhaltens auf den Planeten zu quantifizieren. Er zeigt an, wieviel biologisch produktive Fläche für bestimmte Arten von Konsumverhalten benötigt wird. Die Maßeinheit ist der „globale Hektar“ (gha). Ohne Rücksicht auf Erhalt der Tier- und Pflanzenvielfalt stünden jedem Menschen derzeit 1,7gha zu. Der globale Durchschnitt beträgt allerding 2,8 gha. Der deutsche Durchschnitt sogar 5 gha1.

Die Notwendigkeit der Verringerung unseres ökologischen Fußabdrucks führt unweigerlich zu der Frage: Wie können wir unseren Alltag so gestalten, dass wir der Umwelt möglichst wenig schaden? Zum Glück existieren viele Ansätze, die den Einstieg in einen nachhaltigeren Lebensstil erleichtern.

Kleidung

Nachhaltigkeit fängt schon damit an, wie wir uns morgens anziehen. Kleidung zu produzieren ist sehr ressourcenintensiv. Ein Kilogramm Baumwolle verschlingt in der Produktion ca.23.000 Liter Wasser. Außerdem werden bei der Produktion ca. 5,5kg CO2-Equivalente(CO2e) ausgestoßen. Bei Acrylfaser ist es sogar die vierfache Menge.Dazu kommen die Weiterverarbeitung und der Transport der fertigen Kleidung mit insgesamt ca. 15kg CO2e2. Bei synthetischen Fasern kommt noch hinzu, dass sie aus Erdöl hergestellt werden, dessen Gewinnung ein großes Umweltrisiko darstellt.

Die Fast-Fashion-Trends sind deshalb enorme Ressourcenkiller. Dabei kann ein T-Shirtauch nach fünf Jahren noch gut aussehen, wenn man es schonend wäscht (30°C reichen im Normalfall aus), selbst wenn die Kollektion, aus der es stammt,nicht mehr „up-to-date“ ist.

In Second-Hand-Läden, auf Kleidertauschparties und in den aussortierten Klamotten von Freunden und Verwandten finden sich oft noch Schätze für den eigenen Kleiderschrank.

Doch selbst das langlebigste Kleidungsstück kann zur Umweltbelastung werden, wenn es in jedem Waschgang hunderttausende3 von biologisch nicht abbaubaren Mikrofasern verliert. Mikroplastik ist ein großes Problem, da es in Kläranlagen noch nicht gefiltert werden kann und so in die Meere gelangt. Aufgrund ihrer chemischen Struktur wirken die <5mm kleinen Partikel als Magneten für allerlei Schadstoffe,die sich an ihnen anlagern, dadurch mit in die marine Nahrungskette gelangen und schließlich auf unserem Teller landen4. Deswegen heißt es: Händeweg von synthetischen Textilien wie Polyester, Elasthan, Polyamid (Nylon) und Polyacryl. Alternativen sind natürliche Materialien wie Baumwolle, Leinen, Wolle und Hanf. Chemiefasern natürlichen Ursprungs wie Viskose und Lyocell werden zwar aus nachwachsenden Rohstoffen produziert, ihre biologische Abbaubarkeit ist allerdings umstritten.

Ernährung

Wir sind es gewohnt, zu jeder Jahreszeit ein vollständiges Sortiment an Obst und Gemüse vorzufinden. Dabei hat der Apfel im Sommer genauso wenig Saison, wie die Erdbeeren im Winter. Der Import dieser Früchte produziert Unmengen an CO25. Die deutschen Alternativen sind außerhalb der Saison nicht besser, da die Kühlung und Luftaufbereitung in Lagerhallen enorme Mengen an Energie benötigt, ebenso wie der Anbau in beheizten Gewächshäusern.

Am klimafreundlichsten isst, wer sich wieder auf die Diversität der verschiedenen Jahreszeiten einlässt und regional einkauft, was gerade Saison hat.

Wer außerdem seine Einkäufe im Vorhinein plant, sich die Zeit zum Kochen nimmt und nicht im Supermarkt auf Fertigprodukte zurückgreift, schont nicht nur seinen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Ein kleiner Stoffbeutel in der Handtasche ersetzt die Einwegplastiktüte.

Die Auswirkungen von Fleischkonsum auf die Umwelt5 sind kein Geheimnis. Milchprodukte stehen kaum besser da. Flächenbedarf, Treibhausgasemissionen und Wasserverbrauch in der Tierhaltung übersteigen den Anbau pflanzlicher Lebensmitteln um ein Vielfaches. Im Internet findet man eine Vielzahl an leckeren Rezepten, Tipps und Studien, die den Einstieg in eine rein pflanzlicheErnährung erleichtern können6. Selbst wer den kompletten Ausstieg nicht schafft, kann durch einen reduzierten Verbrauch tierischer Produkte zum Klimaschutz beizutragen.

Kosmetik

Während die Klimaauswirkungen unserer Ernährung – wortwörtlich – bereits in aller Munde sind, ist die Kosmetik noch ein wenig diskutierter Bereich. Tierversuche sind in der EU verboten7, aber damit haben sich die Probleme der konventionellen Kosmetik längst nicht erledigt.

Auch hiersteht wieder das Plastik im Zentrum. Mikroplastik wird in der Kosmetik alsReinigungs partikel gezielt eingesetzt – beispielsweise in Peelings und Zahncremes.

Der Umstieg auf Naturkosmetik ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Hier werden nur unbedenkliche Stoffe verwendet, was einem die Umwelt und der eigene Körper danken.

Darüber hinaus ist es gar nicht schwer, alltägliche Kosmetik selbst herzustellen. Im Internet finden sich zahlreiche Quellen8 zur Selbstversorgung mit Zahnpasta, Deo, Shampoo und anderem. Meist braucht man nur zwei bis drei Zutaten und das fertige Produkt wirkt genauso gut wie das aus der Drogerie mit hundert unaussprechbaren Inhaltsstoffen. Hier spart man nicht nur Geld, sondern durch Verwendung eines wiederbefüllbaren Gefäßes auch die umweltschädliche Einwegverpackung.

Mobilität

Bei 40-50% aller Autofahrten in deutschen Großstädten legen wir laut dem Umweltbundesamt Strecken von unter 5km9 zurück – Wege, die von gesunden Menschen ohne Weiteres mit dem Fahrrad zu bewältigen wären. Dadurch schaden wir neben unserer Gesundheit und unserem Geldbeutel, auch dem Klima. Die Ausrede vom zukleinen Fahrradkorb für den großen Wocheneinkauf ist auch überholt, wenn mansich das ständig wachsende Angebot an (teils kostenlosen) Lastenrad-Verleihen in deutschen Städten anschaut10.

Für längere Strecken gibt es in Deutschland zum Glück ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz. Bus und Bahn schonen das Klima und sind – einen reibungslosen Ablauf vorausgesetzt – doch wesentlich entspannter, als selbst hinterm Steuer zu sitzen. Mit Fernbus und Zug lassen sich viele Reiseziele gut erreichen und so im Vergleich zum PKW 75% der Treibhausgasemissionen, imVergleich zum Flugzeug sogar 85% einsparen11. Wer das Klima schützen will, sollte sich auch überlegen, ob es unbedingt ein Flug nach Südafrika sein muss, oder ob eine „Safari“ durch die Urwälder Mitteleuropas nicht auch einen erfüllenden Urlaub bieten könnte.

Kommunikation

Zu guter Letzt ist es natürlich auch wichtig, diese Verhaltenstipps weiterzugeben, um immer mehr Leute zu einem nachhaltigen Lebensstil zu bewegen. Dabei ist es schöner – und meistens auch effektiver – nicht mit dem mahnenden Zeigefinger aufzutreten, sondern die Alternativen vorzuleben und zu zeigen, wie erfüllend ein klimafreundliches Leben sein kann.

Das Stichwort lautet: Inspirieren statt missionieren!

Quellen

  1.  https://www.fussabdruck.de/oekologischer-fussabdruck/ueber-den-oekologischen-fussabdruck/
  2.  https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/HG__Bekleidung_Umwelt_BB_JE_06_2010.pdf
  3. bzw: WWF (2010), Bekleidung und Umwelt
  4.  https://www.plymouth.ac.uk/news/washing-clothes-releases-thousands-of-microplastic-particles-into-environment-study-shows bzw: Imogen E.Napper, Richard C.Thompson (2016), Release of syntheticmicroplastic plastic fibres from domestic washing machines: Effects of fabrictype and washing conditions, https://doi.org/10.1016/j.marpolbul.2016.09.025
  5. https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/ist-mikroplastik-problematisch
  6.  http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Klimawandel_auf_dem_Teller.pdf bzw: WWF (2012), Klimawandelauf dem Teller
  7. https://vebu.de/
  8. https://www.tierrechte.de/2018/02/22/eu-weites-aus-fuer-kosmetik-tierversuche/
  9. https://www.smarticular.net/bio-natur-kosmetik-zu-hause-herstellen-einfuehrung-und-grundlagen/
  10. https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr#textpart-1
  11. http://www.cargobike.jetzt/sharing/ ; https://www.carlacargo.de/ ; http://www.lastenvelofreiburg.de/
  12. https://www.vcd.org/themen/klimafreundliche-mobilitaet/verkehrsmittel-im-vergleich/
Verwandte Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.