Geothermie – Kurzbericht über das RegioNetz-Treffen

Um dem Klimawandel entgegenzuwirken und die Energiewende zu realisieren, sind Erneuerbare Energien von zentraler Bedeutung. Die baden-württembergische Landesregierung hat sich deshalb im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, die “Tiefe Geothermie” als Erneuerbare Energie auszubauen. Um dieses Vorhaben umzusetzen und die Potenziale ausschöpfen zu können, ist die Akzeptanz der Bevölkerung unerlässlich.

Beitrag von Geothermie für die Energiewende

Dazu fand am 4. November 2021 im Rahmen des jährlichen Regionalvernetzungstreffens für die über 50 Interessierten und Engagierten im Klimaschutz eine digitale Informations- und Vernetzungsveranstaltung mit Expert:innen zur “Tiefen Geothermie” in der Region Freiburg und Südbaden statt.

Diese thematischen Schwerpunkte standen auf der Agenda:

  • Geologische und technische Rahmenbedingungen
  • Chancen und Perspektiven von Geothermie für die Energiewende und
  • Partizipation und Akzeptanz von Bürger:innen an der Umsetzung der Technologie

Potenzial für Tiefe Geothermie in Südbaden

Für die Impulsvorträge und anschließende Podiumsdiskussion haben wir Dr. Ernst Kiefer vom Landesforschungszentrum Geothermie (LFZG), Dr. Sophie Kuppler vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) und Simon Laub, der Gesamtprojektleiter- und -entwickler für Tiefengeothermie bei badenovaWÄRMEPLUS, eingeladen.

Im Oberrheingraben gibt es nicht nur ein hohes Potenzial für Geothermie, sondern auch Ballungszentren mit entsprechenden Industrien. Der Bedarf an Energie ist somit hoch. In weiten Teilen decken konventionelle Energiequellen diesen immer noch ab, was den Klimawandel noch befeuert. Was bei vielen Bürgerinformationsveranstaltungen ist, immer wieder ein Thema ist und stellenweise die öffentliche Wahrnehmung zu Geothermie als Energiequelle in der Region Südbaden beeinflusst, ist die Bohrung in Staufen. Zwischen 2006 und 2007 wurden unter dem Rathaus der Stadt oberflächennahe Sondierungsbohrungen gemacht, mit dem Ziel eine geothermisch betriebene Heizanlage einzubauen. Dabei kam es zu Problemen:

“Durch die Bohrung bis in eine Tiefe von 170 Meter gelangte Grundwasser mit starkem Druck in die darüberliegende Gips-Keuper-Schicht. Die Folge: Der Gips quellt seit dem auf und hat die Oberfläche in Teilen der Stadt um 60 cm erhöht. 260 Häuser sind von Schäden betroffen.”

VDI Verlag GmbH 2014

Dr. Kiefer klärte während seines Fachvortrages auf, dass in Staufen die Bohrungen einerseits nur oberflächennah stattfanden, im Gegensatz zu den Plänen der badenova Energie und Wärme zukünftig mit Tiefengeothermie zu gewinnen. Andererseits handelt es sich bei dem Vorfall in Staufen schlicht um einen Unfall, der vermeidbar gewesen sei. Baden-Württemberg, so Kiefer, ist eines der geologisch am besten kartierten Gebiete Deutschlands. 2007 waren bereits sehr genaue Karten der Region Staufen verfügbar. Hätte man damals die Karten ausreichend studiert, wäre es kein Problem gewesen voraus zu sehen, durch welche Schichten die Bohrungen führen.

“Bei dem Vorfall in Staufen handelt es sich schlicht um einen Unfall, der hätte vermieden werden können.”

Dr. Kiefer 2021

Simon Laub von badenovaWÄRMEPLUS klärte die Teilnehmenden des RegioNetz Treffens auf, dass die badenova in Südbaden nur hydrogeothermische Anlagen plant. Diese zählen zur Tiefen Geothermie und unterscheiden sich deutlich von oberflächennahen Verfahren wie in Staufen, die zur Wärmebereitstellung nicht vorgesehen sind.

Transparenz und frühe Beteiligung der Bürger:innen

Die Referentin Dr. Kuppler referierte zum Thema Partizipation und Akzeptanz von Bürger:innen und stellte heraus, dass Transparenz, Kommunikation und eine frühzeitige Beteiligung von Bürger:innen zentrale Bedingungen sind, um die Grundlagen für eine Zustimmung zur Umsetzung der Technologie zu schaffen. In Kleingruppen konnten die Teilnehmenden ihre Fragen für die abschließende Podiumsdiskussion vorbereiten, sammeln und kollektiv auswählen, welche von diesen den Expert:innen gestellt werden. Das hatte den Vorteil, dass ganz unterschiedliche Teilnehmer:innen ins Gespräch kamen und die Diskussion somit sehr abwechslungsreich und offen war. Das RegioNetz Treffen bietet einen guten Raum, um sich tiefer gehend mit verschiedenen Themen zu beschäftigen. Abschließend wollen wir festhalten, dass sehr wichtig ist, sobald Bürger:innen informiert und/ oder beteiligt werden, ihre Bedenken ernst zu nehmen und kritische Auseinandersetzung in der Diskussion zuzulassen. Denn nur so ist es überhaupt möglich, dass die Referent:innen, die zweifelsohne zu den Expert:innen auf ihrem Gebiet zählen, ernsthafte Vorbehalte der Bürger:innen zu Geothermie einordnen und Befürchtungen auflösen können.

Alle Teilnehmenden des RegioNetz Treffens können sich den Videozusammenschnitt unter dem folgenden Link herunterladen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir diesen leider nicht allen offen zur Verfügung stellen. Sollten Sie Fragen zur Veranstaltung haben, können Sie gerne eine E-Mail an mail@fesa.de schreiben. Auf Anfrage stellen wir Ihnen die Präsentationen der Referent:innen gerne zur Verfügung.

Die badenovaWÄRMEPLUS hat eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die die Teilnehmenden der Veranstaltung gerne Ihre Fragen richten können, erdwaerme-breisgau@badenova.de. Ebenso können Sie sich das Erklärvideo ansehen, welches das Vorhaben der badenovaWÄRMEPLUS zusammenfasst.

Hier finden Sie die PowerPoint Präsentationen zur Veranstaltung

Verwandte Beiträge

2 Comments

  1. Dieter Eppel

    Als sich der oberrheinische Graben bildete ist die Gesteinsschicht zwischen Vgesen und Schwarzwald meiner Meinung nach nicht nicht in eine stabile Lage abgesackt, worauf diverse stark ausgebildete Abbruchkanten hindeuten. Bohrt man solche Strukturen an, ist mit größeren Gesteinsbewegungen, d.h. Erdbeben, Richtung Gleichgewicht zu rechnen.
    Die Diskussion dieses Punktes ist mir entgangen. Vielleicht kann man dazu noch einen Satz sagen.
    Die Risse-Geschichte in Staufen war kein Unfall, sondern ist durch Schlamperei der staatlichen Geologen zustande gekommen, die hätten sich erinnern müssen, dass eine Gips-Keuperschicht unter dem Rathaus schon Ende der 1950er bekannt war.

  2. fesa e.V.

    Im Oberrheingraben gibt es sehr gute Daten zu den geologischen Gegebenheiten und den entsprechenden Gesteinsschichten. Dies können Sie der Power Point Präsentation “Chancen und Perspektiven” entnehmen.

    Zusätzlich verwendet die badenova die Methoden der Gravimetrie sowie der Aeromagnetik, um zusätzliche Informationen beispielsweise zur Gesteinsdichte zu gewinnen und damit das Potentialgebiet weiter zu spezifizieren (dies können Sie sich in dem Video auf dieser Seite ab Minute 1:30 ansehen)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.