
Am 13. Oktober 2026 wurde im Bürgerhaus Denzlingen der Sanierungssprint vorgestellt. Die Idee dahinter: eingespielte Teams, ein gemeinsamer Plan und alle Gewerke gleichzeitig auf der Baustelle. So wird ein Haus in nur 22 Arbeitstagen energetisch modernisiert. Für den Landkreis Emmendingen ist der Sanierungssprint ein neuer Baustein, der die Energiekarawane sinnvoll ergänzt.
Wer saniert, kennt das: Die Baustelle zieht sich über Monate, die Kosten laufen davon, und Handwerksbetriebe lassen auf sich warten. Viele Hauseigentümer:innen fragen sich: Wie komme ich zu einem effizienten Haus, wenn Material teuer ist, Fachkräfte fehlen und unklar ist, welche Heiztechnik jetzt die richtige ist?
Von der Beratung zur Umsetzung: Sanierungssprint und Energiekarawane
Mit der Energiekarawane kommt die Energieberatung direkt zu den Bürger:innen. Hausbesitzendende erhalten nach Ansprache durch die kommunale Spitze eine kostenfreie, qualifizierte Energieberatung vor Ort. Ziel ist es, die Sanierungsrate im Gebäudebestand zu steigern. Nach der Beratung steht jedoch oft die nächste Hürde: Wie lässt sich die Sanierung zügig und verlässlich umsetzen?
Genau hier setzt der Sanierungssprint an. Er knüpft an die Energieberatung der Energiekarawane an und bietet einen Weg, die empfohlenen Maßnahmen gewerkeübergreifend und in kurzer Zeit umzusetzen. Die Energiekarawane gibt den Anstoß, der Sanierungssprint ist der schnelle Weg zur Sanierung.
Teuer wird Bauen oft durch Leerlauf
Der Vortrag setzte bei einem Problem an, das von außen kaum sichtbar ist: Bauen ist auch deshalb teuer, weil Abläufe nicht gut ineinandergreifen. Gewerke warten aufeinander, und diese Leerlaufzeiten bezahlen am Ende die Auftraggeber. Auf Sanierungssprint-Baustellen liegt der Anteil produktiver Arbeitszeit dagegen bei rund 60 Prozent. Selbst erfahrene Handwerker:innen zeigten sich überrascht, wie viel eine gute Organisation ausmacht.
Erst die Hülle, dann die Heizung
Anhand einer Energiebilanz wurde deutlich, warum gerade bei Gebäuden mit schlechter Energieeffizienz (sogenannte „Worst Performing Buildings“) die Reihenfolge entscheidet: Sind Dach, Fassade, Kellerdecke und Fenster gedämmt, sinkt der Heizbedarf so stark, dass eine deutlich kleinere Heizung zusammen mit Abwärme und Solarenergie ausreicht.
Die Empfehlung lautete deshalb: Die Gebäudehülle sofort dämmen, denn je nach Gebäude lassen sich so bis zu 85 Prozent Energie einsparen. Die Öl- oder Gasheizung austauschen, sobald sie den Geist aufgibt. Das Fazit dazu kam mit einem Augenzwinkern: Für diese Strategie ist es egal, was am Ende im neuen Gebäudemodernisierungsgesetz steht.
Der Sanierungs-Code 24.16.10.3.S
Als einprägsame Faustformel für die Altbaumodernisierung wurde ein Code vorgestellt:
- 24 cm Dämmung im Dach
- 16 cm Dämmung an der Fassade
- 10 cm Dämmung an der Kellerdecke
- 3-fach verglaste Fenster
- S wie Sonne: Sonnenenergie nutzen und effizient heizen
Für wen eignet sich der Sanierungssprint?
Für einen Sanierungssprint eignen sich Häuser der Baujahre 1947 bis 1977. Der Sanierungssprint ist eine gewerkeübergreifende Teilsanierung, von Fenstern über Dach und Kellerdecke bis zur Heizung, etwa mit Wärmepumpe, und berücksichtigt dabei auch die Solarpflicht. Mit einer Checkliste konnten die Gäste prüfen, ob ihr Haus zum Sprint passt. Der größte Vorteil ist die Geschwindigkeit. Weil alle Schritte aufeinander abgestimmt und Schnittstellen laufend kontrolliert werden, sinkt außerdem das Risiko von Baumängeln.
Gespräche, Erfahrungen und Beratung vor Ort
Im Anschluss berichteten Energieexperten, Handwerker und Hauseigentümer auf dem Podium von ihren Erfahrungen. Auf dem Marktplatz der Möglichkeiten beantworteten regionale Betriebe, Fachpartner:innen und Finanzierungsberater:innen die Fragen der Gäste.
Hintergrund: Was ist der Sanierungssprint?
Der Sanierungssprint ist eine agile Methode zur energetischen Gebäudemodernisierung, entwickelt von Dipl.-Ing. Ronald Meyer. Statt jeden Handwerksbetrieb einzeln zu beauftragen, arbeiten alle Gewerke als eingespieltes Sprint-Team nach einem stundengetakteten Bauzeitenplan zusammen. 2023 wurde in Hamburg-Duvenstedt erstmals eine Doppelhaushälfte aus dem Jahr 1963 in 22 Arbeitstagen zum Effizienzhaus saniert. Seitdem wird die Methode bundesweit umgesetzt.
Unser Fazit
Der letzte Satz des Abends fasst es gut zusammen: Bei einer energetischen Sanierung wird Geld investiert statt verbrannt. Das eigene Haus gewinnt an Wert, der Landkreis Emmendingen profitiert, und den Klimaschutz im Gebäudesektor gibt es gratis obendrauf. Oder, wie es auf dem Banner einer Sprint-Baustelle heißt: „Ja, Baustelle – aber in 22 Tagen saniert!“



