
Am 30.07 machten wir uns mit einer motivierten Gruppe per Fahrrad auf den Weg, um genau diese Fragen zu beantworten. Unsere Route führte uns chronologisch durch die Meilensteine der Freiburger Energiewende: von wegweisenden Plusenergie-Siedlungen der späten 1990er Jahre über architektonische Meisterwerke bis hin zu modernster Spitzenforschung am Fraunhofer ISE und innovativen Solar-Radwegen.
Die Stationen unserer Tour
1. Solarsiedlung am Schlierberg (1999–2006): Nachhaltiges Wohnen im Sonnenschiff
Den Auftakt unserer Tour bildete die weltbekannte Solarsiedlung von Architekten und fesa-Gründer Rolf Disch. Hier staunten die Teilnehmenden über ein Konzept, das konsequent auf autofreies Wohnen, Lärmschutz und Plusenergie setzt. Das markante „Sonnenschiff“ dient als akustischer Schild zur Straße und beherbergt unter anderem das Ökoinstitut sowie Büros und Geschäfte. Die Siedlung erzeugt jährlich rund 420.000 kWh Solarstrom und spart umgerechnet etwa 200.000 Liter Öl sowie 500 Tonnen CO₂ ein.
2. Das Heliotrop (1994 erbaut): Die Wiege des Plusenergiehauses
Als architektonisches Highlight besichtigten wir das Heliotrop. Inspiriert von Sonnenblumen dreht sich dieses zukunftsweisende Gebäude zweiachsig unabhängig nach der Sonne. Es war weltweit das erste Haus, das mehr Energie produzierte als es verbrauchte. Dank Vakuval-Röhrenkollektoren, integrierter Photovoltaik und durchdachter Holzbauweise zeigt es eindrucksvoll, wie ressourcenschonendes Bauen bereits in den 1990er Jahren gedacht wurde.
3. Neues Rathaus im Stühlinger: Kommunale Energiewende hautnah
Das im Stühlinger errichtete Neue Rathaus zeigt als weltweit erstes Plusenergie-Verwaltungsgebäude, wie nachhaltige Architektur funktioniert: Ausgestattet mit rund 800 Solarpaneelen an Fassade und Dach produziert es jährlich circa 540.000 kWh Strom.
Dieses Engagement ist Teil einer viel größeren Vision: Im Rahmen der städtischen Solaroffensive soll die gesamte Solarenergie in Freiburg bis 2030 verfünffacht werden. Damit dieser Wandel gelingt, unterstützen hilfreiche Angebote wie die PV-Beratung („Dein Dach kann mehr“) und das Förderprogramm „Klimafreundlich Wohnen“ Bürgerinnen und Bürger aktiv bei der Umsetzung eigener Projekte.
Weitere Informationen und Aktionen wie den Solarsommer finden sie hier: www.freiburg.de/pb/2589486.html
4. Fraunhofer ISE: High-Tech-Forschung zu Morpho-Modulen und Schindeltechnik
Am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme erhielten wir faszinierende Einblicke in die Möglichkeiten der Photovoltaik:
Morpho-Farbmodule: Inspiriert vom blauen Morphofalter erzeugen diese Module farbliche Brillanz nicht durch lichtschluckende Pigmente, sondern durch physikalische Interferenz von Lichtwellen. Ästhetik und Effizienz gehen hier Hand in Hand.
Matrix-Schindel-Dachziegel (Projekt SPHINX): Durch überlappende Schindelverschaltung und flexible Produktion eignen sich diese Module ideal für Bestands- und Denkmalschutzbauten. Sie bieten eine höhere Toleranz bei Verschattung und erzielen eine homogene Optik.
5. Solar-Fahrradweg & Stadion-Solarkraftwerke: Mobilität und Energiegewinnung vereint
Die letzte Etappe führte uns zum innovativen Solar-Fahrradweg an der Messe, entwickelt von Badenova und dem Fraunhofer ISE. 912 semitransparente Solarmodule überspannen hier den Weg, erzeugen circa 280.000 kWh Strom pro Jahr und beleuchten den Weg dank integrierter Sensoren bei Dunkelheit dynamisch. Auch der Blick auf das Europapark-Stadion (mit 2,3 Mio. kWh/Jahr) und im Gedenken an das historische Dreisamstadion, wo 1997 dank des Einsatzes von Trainerlegende Volker Finke und engagierten Mitgliedern die bundesweit erste Bürgersolaranlage auf einer Tribüne entstand, rundete den Tag perfekt ab.
Fazit
Nach 8 Kilometern auf den Spuren der Freiburger Solargeschichte klang der Tag am Solar-Fahrradweg erfolgreich aus.
Die Tour hat gezeigt, wie der solare Pioniergeist der 1990er-Jahre bis heute nachwirkt und saubere Stromerzeugung, moderne Architektur und Mobilität hier seit Jahrzehnten zusammengedacht werden. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für den inspirierenden Austausch!
