
Viele von uns nutzen täglich Google, Microsoft, Apple, Amazon oder Meta – oft ohne genauer darüber nachzudenken. E-Mails schreiben, Termine eintragen, Geld überweisen, Fotos in der Cloud teilen, ein Videocall mit Kolleg:innen, kurz „googeln“, sich navigieren lassen… Für viele dieser alltäglichen Aufgaben greifen wir wie selbstverständlich auf „kostenfreie“ Angebote großer amerikanischer Konzerne zurück.
Mit jeder dieser Anwendungen geben wir jedoch auch Daten aus der Hand und machen uns von wenigen großen Anbietern abhängig. Das betrifft nicht nur unseren persönlichen Datenschutz, sondern auch die digitale Infrastruktur Europas insgesamt. Es gibt gute und nachhaltige Anbieter in Europa und der Wechsel kann auch recht einfach ausfallen!
Datenschutz ist mehr als ein Häkchen
Europäische Anbieter unterliegen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Sie regelt unter anderem, welche Daten überhaupt erhoben werden dürfen, wie transparent Unternehmen darüber informieren müssen, welche Rechte Nutzer:innen haben und wann personenbezogene Daten wieder gelöscht werden müssen. Gerade bei sensiblen Anwendungen wie E-Mails schreiben, in der Cloud Daten speichern oder bei Videokonferenzen sensible Daten zu teilen wäre das von Vorteil.
Open Source statt Black Box
Viele europäische Programme setzen zudem auf Open-Source-Software: Der Quellcode ist öffentlich einsehbar und kann von unabhängigen Fachleuten geprüft werden. Das hat handfeste Vorteile – Sicherheitslücken werden häufiger und schneller entdeckt, und Nutzerinnen und Nutzer geraten seltener in eine Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter.
Auch wirtschaftliche Vorteile
Wer bewusst zu europäischen Produkten greift, unterstützt damit lokale Unternehmen, Hersteller und kleinere Betriebe und trägt so zu Arbeitsplätzen und wirtschaftlicher Stabilität in der Region bei.
Wie eng viele digitale und alltägliche Gewohnheiten inzwischen mit US-Anbietern verknüpft sind, beschreibt die Journalistin Clara Suchy eindrücklich in einem Selbstversuch für die ZEIT: Eine Woche lang versuchte sie, möglichst vollständig auf US-Dienste zu verzichten. Über ihre bisherige Haltung dazu schreibt sie selbstkritisch: „Natürlich beängstigt mich, wie gut mein Algorithmus mich kennt. Und doch habe ich bis vor Kurzem eher herablassend mit den Augen gerollt, wenn Menschen in meinem Umfeld nur über den Nachrichtendienst Signal schreiben statt über WhatsApp, weil Signal als sicherer gilt. Wenn ihre Laptops mit dem Betriebssystem Linux laufen, statt mit Windows oder macOS, weil Linux‘ Quellcode frei zugänglich ist. Mir schien so etwas immer übertrieben. Doch seitdem der US-Präsident Donald Trump willkürlich Zölle verhängt, völkerrechtswidrige Kriege führt und mit der Auslöschung ganzer Bevölkerungen droht, sehe ich das anders (…) sollte ich irgendwann nicht mehr auf mein Google Drive zugreifen können, aus welchen Gründen auch immer, hätte ich keine einzige Unterlage mehr: kein Zeugnis, keine alten Uni-Hausarbeiten. Die würde ich zwar vielleicht nicht vermissen, die Sammlung aller von mir verfassten Texte – egal ob Artikel, persönliche Dinge wie Briefe oder Reden oder Ähnliches – hingegen schon. Auch meine Fotos aus den vergangenen 15 Jahren wären futsch.“ (Clara Suchy: Wie man in einer Woche die USA loswird, ZEIT, 18. April 2026).
Europäische Alternativen gibt es längst
Für viele bekannte Programme existieren inzwischen leistungsfähige europäische Alternativen:
| Anwendung | Europäische Alternative |
|---|---|
| Videokonferenzen | Senfcall |
| Cloud | Nextcloud |
| Suchmaschine | Ecosia |
| Navigation | Komoot |
| Newsletter | CleverReach |
| Bezahlen | Wero |
| Mobilfunk | WeTell (aus Freiburg) |
| Posteo |
Eine umfangreiche Übersicht mit weiteren Kategorien bietet european-alternatives.eu/de/kategorien.
Niemand muss alles auf einmal wechseln
Digitale und wirtschaftliche Unabhängigkeit entsteht nicht über Nacht. Vielleicht beginnt der erste Schritt mit einer europäischen Suchmaschine, vielleicht folgt später der Wechsel des Mailanbieters oder des Cloudspeichers. Wichtig ist, dass man überhaupt anfängt.
Ihre Empfehlung ist gefragt!
Kennen Sie weitere europäische Programme, Dienste oder Produkte, die Sie empfehlen können? Eine datenschutzkonforme KI? Oder nutzen Sie bereits eine Alternative, mit der Sie besonders gute Erfahrungen gemacht haben? Schreiben Sie Ihre Tipps gerne in die Kommentare – so entsteht vielleicht nach und nach eine hilfreiche Sammlung für alle, die auf europäische Lösungen setzen.
