
Am 26. und 27. Februar 2026 trafen sich rund 180 Teilnehmende beim 15. Kongress Klimaneutrale Kommunen in der Messe Freiburg. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden kamen direkt aus Kommunen oder aus dem kommunalnahen Umfeld. Ziel der Veranstaltung war es, konkrete Wege zur Umsetzung der Energiewende auf kommunaler Ebene zu diskutieren und Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.


Städte als Schlüsselakteure der Energiewende
Zur Eröffnung betonte Christine Buchheit, Bürgermeisterin von Freiburg, die zentrale Rolle der Städte im Klimaschutz. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt inzwischen in urbanen Räumen, in denen zugleich ein Großteil der globalen Treibhausgasemissionen entsteht. Gleichzeitig stehen Kommunen vor komplexen Herausforderungen wie die Verteilung und Konkurrenz um Flächen, die die Währung unserer Zeit seien, so sagte sie. Flächen werden etwa für Energieerzeugung, Naturschutz, Landwirtschaft, Wohnraum oder Infrastruktur benötigt – Interessen, die häufig miteinander konkurrieren. Frau Buchheit stellte die ambitionierten Ziele vor, die Freiburg im Klimaschutz verfolgt: Der Gemeinderat beschloss 2022, das Ziel der Klimaneutralität auf das Jahr 2035 vorzuziehen. Zusätzlich hat Freiburg den Landespreis Klimaschutz gewonnen und ergänzend wurde ein „Zukunftsfonds Klimaschutz“ für den Zeitraum 2023 bis 2028 eingerichtet. Im Herbst 2024 folgte zudem eine Offensive zum deutlichen Ausbau von Windenergie und Photovoltaik auf den sich der Gemeinderat einigen konnte. Frau Buchheit betonte dabei die Bedeutung gemeinsamer Verantwortung: Klimaschutz könne nur gelingen, wenn Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.
Klimaneutralität auch wirtschaftlich möglich
Im anschließenden Plenum stellte Hartmut Fischer von der Energy Watch Group Ergebnisse eines Pilotprojekts des Städtetag Baden‑Württemberg vor. Seine zentrale Botschaft: Der Weg zur Klimaneutralität ist technisch und wirtschaftlich machbar. Als zentrale Maßnahmen nannte er unter anderem:
- Photovoltaik auf Gebäudedächern
- den schrittweisen Umstieg von Verbrennerfahrzeugen auf Elektromobilität
- Heizsysteme mit Wärmepumpen oder nachhaltiger Biomasse
- energetische Gebäudesanierungen
- Ausbau von Strom- und Wärmenetzen
- mehr Windenergie, Freiflächen-Photovoltaik und Biogas
Eine wichtige Herausforderung bleibe jedoch der begrenzte Flächenbedarf in vielen Kommunen. Dennoch gebe es wirtschaftlich rentable Wege für Bürger:innen, Unternehmen und Stadtwerke, die Energiewende lokal voranzubringen.






Praxisforen zeigen vielfältige kommunale Ansätze
Neben den Plenarvorträgen bot der Kongress zahlreiche Praxisforen und Workshops. Dort stellten Kommunen konkrete Projekte und Erfahrungen vor unter anderem:
- kommunale Wärmeplanung
- nachhaltige Mobilitätskonzepte
- Klimarisikomanagement
- Bürgerbeteiligung
- Abwärmenutzung und Wärmenetze
- energieeffiziente Gebäude und Quartiere
- erneuerbare Energien in Kommunen



Der Austausch zwischen den Kommunen wurde von vielen Teilnehmenden als besonders wertvoll hervorgehoben, da erfolgreiche Konzepte so leichter auf andere Städte übertragen werden können.
Politische Unsicherheit bremst Investitionen
Gleichzeitig wurde auf dem Kongress auch Kritik an aktuellen politischen Entwicklungen geäußert. Änderungen am Gebäudeenergiegesetz sorgen laut mehreren Stimmen aus Kommunen und Energiebranche für Verunsicherung. Bürger:innen und Unternehmen seien teilweise unsicher, welche Technologien künftig politisch unterstützt werden. In einigen Fällen würden Investitionen in Heizsysteme oder Gebäudesanierungen deshalb aufgeschoben. Auch knappe kommunale Haushalte erschweren derzeit die Umsetzung vieler Projekte.
Erfolgsbeispiel: Die Energiekarawane
Ein positives Praxisbeispiel stellte das Projekt Energiekarawane dar, bei dem fesa e.V. Projektträger ist, das von Dr. Heider vom Klimaschutzamt in Konstanz vorgestellt wurde. Das Ziel der Energiekarawane ist es Hausbesitzende direkt in ihren Quartieren zu erreichen und für energetische Sanierungen zu gewinnen und durch aufsuchende Energieberatungen an der eigenen Immobilie zu informieren. Laut Herrn Heider zeigte sich in Konstanz ein besonders großer Erfolg: Rund 15% bis 17% der vom Bürgermeister angeschriebenen Haushalte nahmen anschließend eine Energieberatung in Anspruch. Bisherige Evaluationen anderer Energiekarawanen deuten darauf hin, dass etwa ein Drittel der beratenen Eigentümer:innen anschließend konkrete Sanierungsmaßnahmen umsetzen – was einen deutlicher Beitrag zur Steigerung der Sanierungsrate und zur Reduktion von Emissionen darstellt, wie er in seinem Vortrag im Praxisforum vorstellte. In Abb. 1 seines Vortrages wird deutlich, dass die Energiekarawane sehr dabei hilft die denzentrale Wärmewende in Konstanz voran zu bringen.

Fazit: Kommunen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen
Der Kongress machte deutlich, dass kommunale Klimapolitik eine zentrale Rolle beim Erreichen der Klimaziele spielt. Gleichzeitig sind Städte und Gemeinden auf stabile politische Rahmenbedingungen und langfristige Finanzierungsmodelle angewiesen. Erfolgreiche Projekte entstehen besonders dort, wo Kommunen eng mit Bürger:innen, Wirtschaft, Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Initiativen zusammenarbeiten. Die Energiewende vor Ort ist daher nicht nur eine politische Aufgabe – sondern auch ein gemeinschaftliches Projekt der Gesellschaft.
